Was Teams wirklich erfolgreich macht!

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Das Unternehmen Google war neugierig: Was macht Projekt-Teams erfolgreich? In einer groß angelegten Forschungsstudie untersuchten Google Manager und ihre Teams, welche Faktoren ein Team wirklich erfolgreich macht.

Können Projekt-Teams gezielt zusammengesetzt werden, um die besten Ergebnisse zu bekommen? Ist die ausgewogene Mischung von introvertierten und extrovertierten Menschen entscheidend für den Erfolg? Ist es die Sympathie zwischen den Menschen? Oder sind es die Stärken einzelner Experten?

Der Forschungsauftrag durchsuchte 500 externe wissenschaftliche Studien, interviewte 180 Manager und Teams. Und war am Ende ratlos. Es gibt keine sichtbaren Zusammenhänge zwischen der Zusammensetzung des Teams, den Stärken des Einzelnen und dem Teamerfolg. Entscheidend ist vielmehr, wie die Teammitglieder miteinander umgehen. Die Google Studie fand fünf Faktoren, die Teams erfolgreich machen. Dabei war psychologische Sicherheit der wichtigste Faktor (Safety first!).

 

Die fünf Faktoren erfolgreicher Teams nach der Google Studie (beginnend mit dem wichtigsten):

  • Psychologische Sicherheit: Riskierst du es, im Team dumme Fragen zu stellen, kritische Fragen gegen die Überzeugungen der anderen Teammitglieder einzubringen, auf Fehler hinzuweisen oder sie einzugestehen? Bist du dir sicher, dass du dich nicht blamierst oder den Support des Teams verlierst?
  • Zuverlässigkeit: Verlässt du dich im Team darauf, dass jeder sein Bestes gibt?
  • Klare Strukturen und Ziele: Sind die Ziele, Rollen und Aufgaben untereinander verbindlich und klar?
  • Persönliches Anliegen: Ist jedem die Arbeit an dieser Aufgabe, in diesem Team wichtig? Ist jeder mit Leib und Seele dabei?
  • Sinnhaftigkeit der Aufgabe: Ist für jeden von uns der Beitrag innerhalb der Gesamt-Organisation klar?

Die spannende Frage, die sich nun auftut lautet: Was tun mit diesen Ergebnissen? Wenn ich weiß, dass mein Team nicht die Ergebnisse erzielt, die es erzielen könnte?
Wie beeinflusse ich die einzelnen Faktoren und insbesondere den entscheidenden Faktor „Persönliche Sicherheit“ gezielt?
Google behauptet, dass nach nur zehn Wochen ein wesentlicher Unterschied in der Teamkultur bemerkbar wurde, wenn die fünf Faktoren konsequent im Team bearbeitet wurden.

Dumme Fragen stellen, Schwächen und Fehler angstfrei ansprechen, eine andere Meinung einbringen, ist schwierig! Teams brauchen positive gemeinsame Erfahrungen, bei denen keiner ausgeschlossen wird und so eine Kultur der Wertschätzung entstehen kann. Dieses Vertrauen untereinander aufzubauen verlangt regelmäßige Gespräche und Reflexion.

Mit folgenden Fragen sollte sich ein Team auseinandersetzen, das das Vertrauen im Team stärken möchte:

Mein persönlicher Beitrag zum Team:
Wie geht es mir in diesem Team mit den Aufgaben und Veränderungen, die anstehen?
Was macht mich ärgerlich, unsicher oder sogar hilflos?
Was kann ich zu diesem Team beitragen und wo sind meine Begrenzungen?

Unsere Erwartungen aneinander:
Was erwarten wir in unseren jeweiligen Rollen gegenseitig voneinander, um das Team-Ziel zu erreichen?
Was müssen wir klären? Was sehe ich anders als du?

Vereinbarungen treffen:
Wie gehen wir zukünftig miteinander um?
Welche Vereinbarungen im Umgang miteinander leben wir künftig im Alltag?
Was sind die „Moments of Truth“, in denen wir merken, dass wir uns anders verhalten?

Viele Teams erleben es als Risiko, über all das zu sprechen. In Teamentwicklungs-Workshops bemerke ich die Scheu oder das Entsetzen der Teilnehmer, sobald ich diese Fragen anbiete. Traut sich jemand zu antworten, entsteht eine völlig veränderte Atmosphäre. Die Menschen sind erleichtert und gewinnen mehr Selbstbewusstsein. Sie empfinden mehr Vertrauen und Sicherheit. Der offene Austausch über die Fragen führt zu Klarheit im Team. Die Fragen zu beantworten fordert und fördert die Verantwortung gegenüber sich selbst und dem eigenen Beitrag.

Überdies ist es für Führungskräfte und Projektleiter wichtig, die Fragen zu beantworten. Sie schaffen somit Transparenz in ihrer Rolle und dienen gleichzeitig als Rollenmodell für das Team. Wie ich als Führungskraft in bestimmten Situationen reagiere, setzt die Regeln und Normen für die Teamkultur. Es liegt in meiner Hand, sie innovativ und erfolgreich zu gestalten.

Wer neugierig auf die Google Studie geworden ist, findet in dem Video „The Science Behind Effective Teams at Google“ mehr Informationen.

Bettina Riedel

Geboren 1956 in Berlin, seit 1987 Beraterin, Trainerin, Coach bei der ComTeam AG Academy & Consulting. 1981 – 1987 Beraterin und Managementtrainerin in einer OE-Abteilung eines amerikanischen Computerherstellers und in einer Unternehmensberatung im Bereich Personalentwicklung. Mehrere Ausbildungen in humanistischer Therapie und Systemischer Beratung und Aufstellungsarbeit. Seit 1987 leite ich in unserer ComTeam- Akademie Seminare, Ausbildungen im Bereich Coaching, Kernkompetenzen für Berater und Persönlichkeitsentwicklungsseminare für Mitarbeiter und erfahrene Führungskräfte. Firmenintern konzipiere und leite ich Seminare für erfahrene Führungskräfte zu Themen wie Boxenstopp Führung, Teamentwicklung und Persönlichkeit.
Ich coache Führungskräfte, berate und supervidiere Arbeits- und Projektteams. Bei der Begleitung von Einzelnen und Teams ist mir wichtig, methodische, organisatorische und strukturelle Fragen mit den Themen Macht und (Selbst-) Verantwortung, Zugehörigkeit und Autonomie zu verbinden. Ich lebe auf einem Bauernhof südlich von München.

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Bettina Riedel 2018-03-25T13:05:05+00:00 23. Mai 2017|

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