Emotionen: Vorfahrtsregeln im Change

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Wie Georg Wolfgang schon über die 4 Zimmer der Veränderung geschrieben hat, ist dies für uns ein hilfreiches und häufig verwendetes Instrument in Veränderungsprozessen. Für die TeilnehmerInnen werden die Phasen (Zimmer), die jeder im Veränderungsprozess durchläuft, nachvollziehbar.

Dennoch oder gerade deswegen ergibt sich bei Führungskräften oft ein verständlicher Impuls, etwas dafür zu tun, dass die Mitarbeiter schneller durch die Zimmer gehen. Ein vermeintlich probates Mittel: Gute Argumente, Zahlen, Daten, Fakten. Viele versuchen, mit (eigentlich) guten Argumenten ihr Team von der Notwendigkeit der Veränderung zu überzeugen. Dann erleben sie, dass ihre Bemühungen wenig fruchten und klagen, dass ihre Mitarbeiter dennoch „ach so uneinsichtig“ sind.

Es gibt allerdings eine einfache Erklärung für das scheinbar uneinsichtige Verhalten: Emotionen haben Vorfahrt.

Was heißt das im Change? Es gibt mehrere Mechanismen, die dann „Vorfahrt“ bekommen. Der eine: Werden wir mit Dingen konfrontiert, von denen wir Sorge haben, sie nicht bewältigen zu können, machen wir die „Schotten dicht“. Und: Wenn unser Gehirn damit beschäftigt ist, mit Unsicherheit umzugehen – mit Ungewissheit, mit Sorgen und Fantasien, was alles passieren kann, dann sind wir nicht offen für gut gemeinte Argumente oder Ratschläge von unseren Vorgesetzten. Die Verarbeitung von Emotionen hat, so ist unser Gehirn gebaut, Vorrang vor der rationalen Verarbeitung. Das bedeutet: Als Führungskraft muss ich sensibel dafür sein, wie emotional verstrickt meine Mitarbeiter sind. Ich muss diese Phase aushalten und kann mir in der Zeit sämtliche Überzeugungsversuche sparen. Es gilt also, der Versuchung zu widerstehen, durch gutgemeinte Argumente mein Team zu überzeugen. Zumindest, so lange die Zeit dafür noch nicht reif ist.

Wer mehr zu unseren inneren Mechanismen wie Verleugnung und Verdrängen erfahren möchte – es gibt einen spannenden Beitrag von BR 2 dazu:
http://www.br.de/radio/bayern2/wissen/radiowissen/psychologie/verdraengen-verleugnen-seele-102.html

Nicole Detambel

Geboren 1968, seit 2012 tätig als Beraterin und Trainerin bei der Comteam Academy und Consulting. Ich arbeite schwerpunktmäßig mit Führungskräften in Veränderungsprozessen. Die Herausforderungen dieser Rolle kenne ich von beiden Seiten: In der Vergangenheit selber als Führungskraft in Unternehmen MitarbeiterInnen durch den Change zu belgeiten und nun Unternehmen in diesem Prozess einfühlsam und kompetent zu beraten. Wenn es gelingt, die vermeintlichen „Soft-Themen“ im Change in ihrer Bedeutung auch im business-Kontext besprechbar zu machen, ist dies immer eine große Motivation für mich. Und meine therapeutische Weiterbildung ist mir dabei sehr nützlich. In meiner Arbeit treffe ich immer wieder auf neue Persönlichkeiten und unterschiedliche Unternehmen mit ihrer jeweils einzigartigen Kultur. Dafür braucht es Neugier, Einfühlungsvermögen und schnelle Orientierung in unterschiedlichen Kontexten.

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Nicole Detambel 2018-03-25T14:22:53+00:00 29. März 2015|

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