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Wie Virtualisierung und die damit einhergehende Entgrenzung unsere Authentizität am Arbeitsplatz beeinflussen und Stellschrauben sind für Engagement, Commitment und Work-Life-Balance

Bisweilen scheint es so, als hätte die beschleunigte Digitalisierung vor allem unserer Meeting-Kultur das Fenster des Sichtbaren unserer echten Ichs weiter geöffnet: Kinder und Haustiere sind ganz selbstverständlich Teil unserer Besprechungen, unsere GeschäftspartnerInnen ahnen, wie wir morgens mit der Frisch-aus-dem-Bett-Frisur aussehen und unsere KollegInnen werden über den Bildschirm immer mehr zu uns nach Hause eingeladen. Damit geben wir – vermeintlich – mehr von uns preis als früher.

Sind wir mit der Virtualisierung im Job echter geworden?

Es läge also der Schluss nahe, dass wir im Job authentischer geworden sind, weil wir ja mehr „echtes Leben“ von uns zeigen. Und da authentisch sein können ja meist bedeutet, mehr zu sich und den eigenen Werten zu stehen, sollte das dem Wohlfühlfaktor im Job entgegenkommen … oder?

Ist Virtualisierung gleichbedeutend mit Authentizität und Identifikation mit dem Job?

Ja. Nein. Viele Teilfragen. Dröseln wir das mal auf:

  1. VIRTUALISIERUNG IST GLEICH AUTHENTIZITÄT?
    Nun, das hängt zum einen von kulturellen Faktoren (> mehr zur Unternehmenskultur) im Unternehmen ab – Virtualisierung kann auch bedeuten, dass ich mir Zuhause eine Kulisse aufbaue, weil es unangenehm ist, den KollegInnen mein Wohnzimmer zu zeigen oder die Kamera einfach aus bleibt. Und zum anderen hängt Authentizität damit zusammen, an welcher Stelle die mit der Virtualisierung einhergehende Entgrenzung zum Tragen kommt: Wenn wir durch veränderte Arbeitsstrukturen nicht mehr an unsere Informationen kommen und nicht in Entscheidungen eingebunden werden, ist es eher die Entfremdung von uns selbst, die zunimmt.
  2. VIRTUALISIERUNG IST GLEICH IDENTIFIKATION MIT DEM JOB?
    Das wird stark durch Teilaspekte bestimmt. Sehen wir Virtualisierung als Chance zum räumlich flexibleren Arbeiten, dann hat diese Flexibilität positive Auswirkungen auf unser Arbeitsengagement. Düster sieht es aber aus, wenn wir im Zuge der Digitalisierung unseres physischen Arbeitsplatzes von Informationen und Entscheidungswegen abgeschnitten werden: Das Commitment nimmt dann ab und die Work-Life-Balance leidet spürbar.
  3. AUTHENTIZITÄT IST GLEICH IDENTIFIKATION MIT DEM JOB?
    Yes, yes, yes. Wer am Arbeitsplatz authentisches Verhalten in einem für die jeweilige Persönlichkeit passenden Maße zeigen kann, ist deutlich engagierter, das Commitment zur jeweiligen Organisation steigt gewaltig und die Work-Life-Balance freut sich ebenfalls.

 

Größeres Engagement, gesteigertes Commitment: Woher wissen wir das eigentlich?

Nein, es ist nicht geraten. Und beobachten kann man all diese Dinge zwar auch ganz gut, aber bewiesen sind sie damit noch lange nicht. Deshalb haben wir als ComTeam unser diesjähriges Studienthema dem Echt-Sein gewidmet. Und unsere Fragen mit Antworten von über 1000 Teilnehmenden belegt.

Studienbericht? Gibt’s hier.

Wie schon oben betont: Die Virtualisierung und die daraus resultierende Entgrenzung haben an vielen Stellen Potenzial, authentisches Arbeiten zu fördern. An anderer Stelle können aber schädliche Scherkräfte wirken. Deshalb lautet unsere Handlungsempfehlung für Unternehmen in dieser sich schnell verändernden Situation: Entgrenzungsdynamiken genau beobachten und gegebenenfalls Stellschrauben justieren. Wichtigster Merksatz: Informations- und Wissensaustausch und Entscheidungsprozesse müssen dringend funktionieren!

Auf Distanz Orientierung in der Führung finden? Hier geht’s zu unserem Inhouse-Seminar „Hybrides Führen“.

Eva Zebisch

Seit Oktober 2018 bin ich Teil von ComTeam.

Meine Leidenschaft für Kommunikation spiegelt sich in meinen vielfältigen Tätigkeiten für ComTeam wider: Einerseits unterstütze ich die Change-Kommunikation in Transformations- und Veränderungsprozessen von ComTeam Beratungskunden. ComTeam-intern bin ich für unsere Public Relations zuständig und außerdem Teil unseres Marketing-Teams.

Geboren 1988 in München, aufgewachsen im Münchner Süden, Wurzeln im Chiemgau und oft und gerne mit meinem Hund draußen unterwegs. Meine große Reise-Liebe: Die ganze Welt, vor allem aber Indonesien, mit all seinen erstaunlichen Facetten und wunderbar herzlichen Menschen. Und Italien – das geht immer.

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Daniel Putz

Meine Leidenschaft gehört der Entwicklung und Entfaltung von Menschen und Organisationen. Seit mehr als 15 Jahren gestalte und begleite ich als Berater, Facilitator und Coach Lern- und Veränderungsprozesse. Mein besonderes Interesse gilt dabei immer wieder der Frage, was Personen bewegt und was sie für positive Entwicklung brauchen – als Individuum, im Team und in der Gesamtorganisation.

Neben ernsthaftem Interesse an meinem Gegenüber und Anerkennung bestehender Herausforderungen gehören für mich eine ordentliche Portion spielerische Neugier und Humor dazu, wenn es darum geht, gemeinsam passende Lösungswege zu finden.

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