Zwei Improvisationsübungen vorgestellt Teil 2 von 2

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In meinem bei ComTeamMedia erschienenen Buch: „Spontan Sein“ habe ich eine ganze Reihe Übungen aufgelistet, als Essenz meiner langjährigen Tätigkeit als Lehrer für Improvisation.

Hier zwei besonders wirkungsvolle Grundübungen.

Ein typischer Satz: „Mir fällt nix ein!“

Assoziatives Denken hilft weiter: Schmecken, Tasten, Sehen, Riechen und in zweiter Instanz auch Gedanken verknüpfen sich mit Erinnerungen, Wörtern, Bildern, Melodien usw. Der Zugang zu diesen Assoziationen ist essenziell für Spontaneität. Diese Impulse geben uns die Information, was wir als Nächstes tun sollen und in welche Richtung unsere Bewegung weist. Andere nennen es Bauchgefühl. Genau das alles macht ja den Umgang mit Veränderungen leichter.

Normalerweise wird dieses Spiel mit zwei oder mehr Spielern im Kreis gespielt. Halten Sie pantomimisch einen imaginären Ball in der Hand und werfen Sie ihn einem beliebigen Spieler im Kreis zu. Rufen Sie dazu irgendein Wort. Zum Beispiel: „Holz“. Ihr Gegenüber fängt den imaginären Ball auf, indem er das Wort wiederholt: „Holz“. Dann wirft er ihn jemand anderem zu, während er diesem Spieler spontan die erste, unzensierte (!) Idee, die ihm zu dem Wort einfällt, zuruft. Beispielsweise: „Lagerfeuer“. Mit diesem Spiel können Sie lernen, das Naheliegende, das Gewöhnliche, die normale Idee einfach zu äußern. Zensieren Sie sich nicht. Jedes Wort ist erlaubt! Bleiben Sie im Fluss mit Ihren Ideen. Dies ist auch die Grundlage aller Schlagfertigkeit.

Wenn Sie dieses Spiel beherrschen, machen Sie sich an die Grundhaltung von uns Improspielern. Das radikale Akzeptieren von Ideen und Impulsen des Gegenübers und deren Integration in das Ganze bedeutet auch die Beziehung zu Ihrem Partner im Fluss zu halten! Damit ebnen Sie sich den wichtigsten Weg in Veränderungsprozessen: In Kontakt mit meiner Umgebung bleiben. Und das ganze humorvoll, weil spontan!

Noch ein typischer Satz: „Ja aber…! Ich hab doch Recht!“

Wer verändern will, muss auch selbst veränderungsbereit sein. Gehen Sie mit den Impulsen Ihres Partners und bleiben Sie trotzdem sichtbar! Die Übung „Ja, genau und dann …“ wird paarweise gespielt. Sie stehen nebeneinander, Schulter an Schulter. Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Zwillingspaar, das immer alles ganz genau gleich macht. Diese Konstruktion hilft Ihnen, immer parallel nebeneinander zu spielen. Hebt ein Partner den rechten Arm, macht der andere es genauso. Es führt immer derjenige, der seinen Satz gerade sagt. Beginnen Sie mit dem Satz: „Weißt du noch, wie wir …?“. Zum Beispiel: „Weißt du noch, wie wir die Türe geöffnet haben?“ Das ist eine klare und offene Spielvorgabe, die es Ihnen einfach macht, genau diese Handlung parallel mit Ihrem Partner Schulter an Schulter durchzuspielen. Nun ergänzt Ihr Partner: „Ja, genau und dann haben wir uns die Mütze ins Gesicht gezogen.“ Abermals führen Sie beide diese Handlung genau gleich durch. Jeder nachfolgende Satz beginnt nun mit: „Ja, genau und dann …“ und so geht es die ganze Zeit weiter, bis Sie die Geschichte beenden.

Das in Veränderungsprozessen wichtige Aufgreifen von Impulsen von anderen wird geschult, statt starr an seinen eigenen Vorstellungen festzuhalten. Sie erleben, dass die fremden Impulse des Anderen Sie auf eine spannende Reise entführen, auf der Sie ungeahnte und überraschende Erfahrungen machen können. Gleichzeitig lernen Sie, Ihren eigenen Anteil flexibel in die Situation einzubringen. Sie machen die Erfahrung, dass gerade das Loslassen und Veränderungsbereit-Sein schneller und freudvoller zum Ziel führen.

Haben Sie jemanden, mit dem Sie das jetzt oder in der nächsten Pause ausprobieren können? Suchen Sie sich einen ruhigen Ort und legen los. Spontan. Ungeplant. Einfach machen. Zwei Mal und schon läuft es richtig gut. Öffnen Sie das Fenster und lassen spontane Frischluft herein. Sie werden merken, wie sich Ihr Humor einfach mit durch die Türe zwängt. Ungefragt. Und plötzlich hat „Verändern und verändern lassen!“ auch etwas mit Lebenslust zu tun. Viel Spaß dabei.

Andreas Wolf

Meine Tätigkeit konzentriert sich auf alles, was von „Spontaneität“ ausgeht. Neben vielen interessanten künstlerischen Ausflügen im Bereich Chanson/Jazz/Kabarett/Klassik, gründeten wir als Studenten 1992 das Fastfood Theater und 1994 die erste Schule für Improvisation in Deutschland. Wir beschäftigten uns mit der Frage der Vermittlung von Improvisationstechniken für das Theater, bald schon aber auch für Menschen in ihrer beruflichen und privaten Umgebung. So interessieren mich die Möglichkeiten persönliches Potential jenseits inszenierter und geplanter Situationen abzurufen und somit ein Maximum an Authentizität herzustellen. Diese Arbeit erstreckt sich von der Zusammenarbeit von Gruppen, bis zum Einzelcoaching. Neben meiner schauspielerischen Arbeit, bin ich auch Dozent für Improvisation an der Bayrischen Theaterakademie und künstlerischer Leiter des fastfood theaters. Ich freue ich mich, wenn Sie Lust haben sich bei ComTeam Media das Buch: „Spontan Sein“ zu besorgen.

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Andreas Wolf 2018-03-25T14:18:52+00:00 28. Juni 2016|

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