Der perfekte Spiegel: Coaching zu Dritt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Coaching #Acting

Wie bitte? Wieso zu dritt?? Wer ist noch dabei?? Coaching zu Dritt ist ein außergewöhnliches Format, welches bei Unternehmen vor allem bei oberen Führungskräften immer beliebter wird. Coaching ist eine tolle Methode, um individuell und gezielt an herausfordernden Situationen zu arbeiten. Dem Coachee steht neben dem Coach ein Improvisationsschauspieler zur Verfügung: Coaching zu Dritt also.

 

Anna ist Top-Führungskraft eines Konzerns. Sie wird schnell ungeduldig, sobald ihr Gegenüber sie nicht sofort versteht.Beim ersten Nachfragen ihres Mitarbeiters reagiert sie sofort heftig und fühlt sich genervt.

Beim Coaching besprechen wir gemeinsam, wie eine typische Situation im Alltag aussieht: Der Improschauspieler ist Anna‘s Mitarbeiter. Sie beschreibt diesen kurz, um ein möglichst realistisches Bild zu zeichnen. Außerdem klären wir das Setting: Die beiden sitzen bei Anna im Büro und sie möchte über den Projektfortschritt sprechen.

Und los geht’s. Schnell kommt das Rollenspiel in die Gänge, die Ungeduld steht Anna rasch ins Gesicht geschrieben. Ihr „Mitarbeiter“ fragt nach, verlangsamt, versteht nicht, wird immer zurückhaltender und unsicherer. Anna dagegen wird immer schneller. Sie steht auf und erklärt am Whiteboard.

Pause – Feedback von Schauspieler und Coach

Nach einigen Minuten drückt der Coach die „Pause“-Taste. Wir reflektieren: Welche Wirkung hat Anna‘s Verhalten auf ihr Gegenüber? Der Improschauspieler beschreibt, wie schwer es ihm fällt, Anna‘s Redefluss zu folgen, wie dominant Anna durch ihre Körpersprache (ausgestreckter Zeigefinger, Blick von oben nach unten) wirkt, wie wenig Interesse am Gespräch er im Rollenspiel spürt.

Der Coach ergänzt die Wirkung aus seiner Sicht. Er gibt Hilfen und Tipps, die Anna sofort ausprobiert. „Play“ – es geht weiter. Anna stellt eine Frage und wartet die Antwort ab. Sie wird langsamer und ruhiger. Ihr Mitarbeiter berichtet vom Projektfortschritt und Anna erläutert ihre Bedenken. Die Situation hat sich komplett gewandelt. „Pause“ – was war anders in der zweiten Sequenz? Wie ist es Anna dabei ergangen?

Mit den Tasten „Play“ und „Pause“ intervenieren und strukturieren wir das Coaching… wir halten an, wenn nötig. Wir probieren Neues. Wir beschreiben und reflektieren die Wirkung des Verhaltens.

Anna nimmt viel mit aus den 90 Minuten: Klarheit über die Wirkung ihres Verhaltens, Ideen, was sie anders machen kann. Das Wichtigste: Sie hat die Ideen erprobt und sich von der positiven Wirkung noch in der Coaching-Sitzung überzeugt. Anna verlässt hochzufrieden und motiviert den Raum. Mit Gewissheit weiß sie, das neu Erlernte im Alltag unkompliziert umzusetzen.

Der Schauspieler: Dein ehrlicher Spiegel

Und so lief es ab: Der Coachee hat in einem kurzen Klärungsgespräch vorab beschrieben, welche Situationen ihm im Alltag Schwierigkeiten bereiten. In der Coaching-Stunde selbst haben dann alle drei gemeinsam die Situation so präzisiert, dass der Schauspieler sie gut darstellen konnte: Wen stellt der Schauspieler dar? Wie sieht eine typische Situation aus? Was möchte der Coachee ausprobieren?

Mit den Improschauspielern arbeiten wir seit vielen Jahren zusammen. Sie verfügen über eine reichhaltige Erfahrung im Businessalltag und versetzen sich in Sekundenschnelle in die Situation hinein und geben somit ein realistisches Spiegelbild. Der Coachee reagiert, die typischen Verhaltensweisen zeigen sich früh und der Schauspieler verstärkt sie. Der Coach beobachtet währenddessen die Situation von außen.

Push The Button

Im Coaching zu Dritt gibt es dann viele Varianten. Beliebt sind die „Pause“, „Play“, „Rewind“ oder „Fastforward“-Tasten. Wann immer der Coach es für hilfreich erachtet, gibt es die Möglichkeit, inne zu halten um zu reflektieren: Was ist aufgetaucht? Wie geht es dem Coachee mit dieser Reaktion? Welche Wirkung hat es auf den Schauspieler? Man vereinbart, anderes zu probieren und kann weitermachen mit dem Gespräch. So verändert der Coachee Schritt für Schritt die Gesprächssituationen und erlebt sofort die Wirkung auf das Gegenüber.

Coaching zu Dritt eignet sich dann, wenn es um die Interaktion zwischen Coachee und einem Anderen (Mitarbeiter, Kunde, nächst höhere Führungskraft, Peer) geht. Der Coachee möchte konkrete Ideen und Lösungen finden. Er möchte sie auch gleich ausprobieren, um die unmittelbare Wirkung gespiegelt zu bekommen. Dann kann der Coachee im Alltag das veränderte Verhalten noch erfolgreicher anwenden. Er wird damit befähigt, Kommunikationssituationen für alle positiv zu verändern.

Sind Sie neugierig geworden? Klingt das spannend für Sie? Schreiben Sie uns. Wir freuen uns.

Kerstin Kromer

Ich bin in Oldenburg 1969 geboren und dort sowie in Seattle, USA, zur Schule gegangen. Auf einer Tour von Bonn (Lehre als Hotelfachfrau) über München (BWL-Studium) und San Francisco (2-jähriges MBA-Studium mit Schwerpunkt International Management als Fulbright-Stipendiatin) bin ich 1996 in die bayerische Metropole zurückgekehrt und habe drei Jahre bei einer Strategieberatung überwiegend in der Telekommunikationsbranche gearbeitet.
Bei ComTeam bin ich seit 1999 in der Beratung von Menschen in Veränderungsprozessen engagiert. Ich konzipiere und leite firmeninterne Seminare oder Programme zu Themen wie Führung, Change Management oder Kommunikation. Zielgruppen sind erfahrene Führungskräfte, die sich weiter qualifizieren, sowie junge Führungskräfte, welche für die erste Leitungsposition fit gemacht werden.
Als Beraterin navigiere ich Großgruppen durch Veranstaltungen, arbeite mit Coaching-Klienten an persönlichen Themen und begleite Teams bei Strategie-Workshops, in Entwicklungsprozessen oder schwierigen Situationen.
Ich bin gerne und häufig in internationalen Gruppen und auf Englisch unterwegs, da mich unterschiedliche Perspektiven und Kulturen nach wie vor faszinieren. Leidenschaftlich gerne integriere ich „SolutionsFocus“, also lösungsorientiertes Denken und Handeln in mein Arbeitsleben.
Seit 2006 arbeite ich von Düsseldorf aus – mit großem Spaß an meiner Doppelrolle als Beraterin und Mutter einer süßen Tochter. Trotz der Mobilität im Job reise ich auch privat sehr gern – insbesondere nach Afrika.

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Kerstin Kromer 2018-06-07T14:42:01+00:00 28. Juli 2017|

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