Nudging – was Change auf der individuellen Ebene befördert

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Haben Sie schon von Nudging gehört? Die britische Steuerbehörde verwendet es, eine schwedische Kommune benutzt es, und das deutsche Kanzleramt benennt es „Wirksam Regieren“. Was mich an diesem Ansatz fasziniert, ist dessen Leichtigkeit und Wirksamkeit!

Bei Nudging geht es darum, Menschen durch kleine Stupser = Nudges zu einem gewünschten Verhalten zu bewegen – und nicht wie so oft durch Gebote, Verbote, Vorschriften, Regeln zu zwingen oder zu ermahnen. Meine Heimatstadt Wien ist seit Jahrhunderten geübt darin, ihre BürgerInnen mit Regeln durchs Leben zu steuern. Mit wechselndem Erfolg, die WienerInnen sind sehr erfinderisch geworden, einen Ausweg oder Umweg zur Erfüllung ihrer Wünsche zu finden – wie Kinder, die den Geboten von Vater und Mutter ausweichen. In der deutschen Sprache verwenden wir gerne den Begriff „Vater Staat“ und es beschreibt sehr gut dieses paternalistische Prinzip.

Also wie könnte es anders gehen? Robert Cialdini, emerit. Pychologieprofessor der Arizona State University, Noah Goldstein, Sozialpsychologe und Professor an der Universität von Kalifornien und der britische Consultant Steve Martin haben dazu geforscht und festgestellt ,“es seien nicht Informationen per se, die Menschen dazu bringen, Entscheidungen zu treffen, sondern der Kontext, in dem die Informationen präsentiert werden. Dies müsse man berücksichtigen, wenn man andere in eine bestimmte Richtung lenken möchte.“

Sechs Grundprinzipien der Einflussnahme werden beim Nudging wirksam

  • Reziprozität = ich revanchiere mich für einen Gefallen oder eine Hilfeleistung, die ich erhalten habe.
  • Soziale Bewährtheit = wenn es die anderen tun, sollte ich es auch tun.
  • Commitment und Konsistenz = wozu ich laut Ja gesagt habe, das halte ich auch ein (wie zum Beispiel diesen Blog zu schreiben).
  • Sympathie = wenn ich jemanden mag, lasse ich mich gerne von ihm/ihr beeinflussen.
  • Autorität = ich verlasse mich gerne auf den Rat von Experten.
  • Knappheit = umso weniger etwas verfügbar ist (oder zu sein scheint), desto stärker wird mein Wunsch, es haben zu wollen.

Ein paar Beispiele für erfolgreiches Nudging: Steuererklärungen sind in Großbritannien ähnlich beliebt wie bei uns. Einige Bürger drücken sich davor. Auf Empfehlung der britischen Nudge-Unit wurde der Standardmahnbrief des Schatzamts umgetextet und lautet jetzt: „Neun von zehn Bürgern in Großbritannien zahlen ihre Steuern rechtzeitig. Im Moment gehören Sie zu einer kleinen Minderheit, die noch nicht bezahlt hat.“ Der Erfolg – innerhalb von drei Wochen stiegen die Einnahmen des britischen Schatzamtes um elf Millionen Pfund. (Soziale Bewährtheit).

Oder, Sie sind alleine am Strand, wollen schwimmen gehen und haben Sorge um Ihre zurückgebliebenen Wertsachen? Bitten Sie Ihre Strand-Nachbarn darauf aufzupassen, Ihre Sachen werden bei Ihrer Rückkehr immer noch da sein. (Commitment)

Oder, „Buchen Sie jetzt, nur noch Restplätze vorhanden.“ (Knappheit) – das kann stimmen oder auch nicht, hier kann man schon die manipulative Kraft des Nudging erahnen. Es kommt wie bei vielen Instrumenten darauf an, zu welchem Zweck und mit welcher Motivation es eingesetzt wird. Quelle: Psychologie heute 08/2015

Und, ein besonders gelungenes Nudging-Beispiel zur spaßigen und kreativen Gesundheitsförderung in Schweden finden Sie auf Youtube mit den Suchbegriffen „escalator piano keys“.

Für mich ist die Vorstellung, good citizenship durch Nudging leicht und wirksam zu fördern, sehr attraktiv. Was meinen Sie dazu? Und kennen Sie gute Beispiele aus der Wirtschaft?

Peter Böhm

1958 in Wien geboren und dort aufgewachsen; nach dem Wirtschaftsstudium sammelte ich im Hilti-Konzern Führungserfahrung als Projektleiter für den Bereich Materialwirtschaft. Anschließend arbeitete ich mehrere Jahre in der Fach-Beratung für Controlling und Logistik. Seit 1991 bin ich auch als Vorstand in der strategischen Leitungsfunktion einer mittelgroßen Nonprofit-Organisation tätig. Meine Arbeitsschwerpunkte liegen vor allem in der Organisationsberatung, und dem Coaching von leitenden Führungskräften – hier kann ich mein Wissen über das Funktionieren von Organisationen und Menschenführung als wertvolle Ressource nützen. „Vertrauen und Respekt“ sind für mich der Schlüssel zu anderen Menschen, sie prägen meine Lebenseinstellung und meinen Arbeitsstil. Ich würde mich als neugierigen Menschen beschreiben – sehr gerne arbeite ich mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zusammen, und das in englischer Sprache – to enjoy diversity!

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Peter Böhm 2017-11-15T09:54:00+00:00 12. Oktober 2015|

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