kult:agil: Ein Interview zur Konzeption des agilen Kulturprozesses

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Im Rahmen unserer Reihe zu kult:agil wollen wir mit einzelnen Interviews tiefere Einblicke verschaffen. Unsere Berater Nicole Detambel und Georg Wolfgang blicken zurück auf die Konzeptionsphase von kult:agil.

Georg+Nicole

1: Wie habt ihr mit der Entwicklung des Kulturprozesses bei ComTeam begonnen und was war der konkrete Auslöser?

Nicole: Ein Beweggrund war auch die Erfahrung, dass für viele Organisationen am Ende der Kulturanalyse mit dem Kulturprofil-Indikator© die Versuchung groß war, sich bei der Maßnahmenvereinbarung rein auf die organisatorische Ebene zu begeben. Unser agiler Kulturprozess sollte daher den viel ungewohnteren Austausch darüber ermöglichen, mit welchen Vereinbarungen man sich in Richtung der neuen Kultur bewegen möchte. Also sich über das WIE zu verständigen.

Worauf wir zurückgreifen konnten, war, dass ComTeam ja bereits viele Jahre Erfahrung in der Begleitung von individuellen Veränderungsprozessen hat. Und die Erfahrungen daraus wie zum Beispiel, dass eine Veränderung eher kleine Schritte beinhalten sollte dafür aber zeitnah Reflexionsschleifen, haben wir auch in die Kulturentwicklung übertragen. Denn diese ist ja kollektive Verhaltensänderung.

Georg: Neben dem, was Nicole beschreibt, haben wir bezüglich der Kulturentwicklung bis letztes Jahr oft auf der Ebene des einzelnen Teams konzipiert. Also Tools und Methoden, die ein einzelnes Team nach der Arbeit mit dem Kulturprofil-Indikator© in Bewegung bringt. Auch hier waren schon agile Ansätze sehr prägend und wir wollten solche Systematiken in einem strukturierten, aber eigenverantwortlichen Prozess des Teams etablieren. Es schlummerte aber immer die Frage nach dem Kollektiv: Wie kann man diese Ansätze auf ein gesamtes Unternehmen oder eine große Organisationseinheit übertragen und somit eine teilautonome Kulturentwicklung etablieren, die aber einer stringenten Logik folgt. Letztlich war für uns ein gedankliches Lösen von der Teamebene notwendig, um die bisherigen Ansätze quasi hoch zu skalieren.

2: Wie können wir uns solch eine Entwicklung bei ComTeam vorstellen, wie sieht das konkret aus?

Nicole: Es war ein bisschen wie ein Puzzle. Wir hatten verschiedene Bausteine erprobt und dann sukzessive zusammengefügt. So stammen Teile des Teamboards aus der Denkweise des customer experience designs:

  • Erstens. die Moments of truth, die konkrete Situationen suchen, in denen sich zeigt, ob die Veränderung gelebt wird oder nicht.
  • Zweitens. die Nutzenformulierung: Angelehnt an ein „what’s in for me“ in der Marketingsprache ist es genauso in der Kulturveränderung wichtig, dass das neue Verhalten einen konkreten Nutzen stiftet.

Georg: Ich würde es so beschreiben: Eine Handvoll Berater, ein möglichst konkreter Anlass und dann eine hitzige Diskussion mit unterschiedlichsten Blickwinkeln und Ideen. Von philosophisch bis ganz konkret sind die Übergänge der Betrachtungsebenen fließend. Das kann sich in dem Moment auch mal anstrengend anfühlen, ist aber gleichermaßen belebend und höchst produktiv. Dann wird ausprobiert, weitergedacht und es werden regelmäßig die Fortschritte in Frage gestellt und modifiziert. Und idealerweise wird solch ein gedankliches Konstrukt mit einem Kunden gemeinsam umgesetzt und pilotiert.

3: Gibt es Momente, an die Du Dich bei der Entwicklung besonders erinnerst?

Nicole: Es gibt immer wieder Momente, in denen wir innerhalb kürzester Zeit etwas auf die Beine stellen. Aus einer großen Zahl scheinbar unzusammenhängender Einzelideen entsteht ein Gesamtkonzept. Das hat einfach mit unserer Kultur zu tun: Erstens wir erlauben uns, quer zu denken. Und zweitens wir lassen uns auf die Ideen der anderen ein und spinnen sie weiter. Die innere Haltung dazu ist wie im Improtheater: „Ja genau, und dann…“.  Das setzt enorme Kreativität frei.

Georg: Ich erinnere mich ganz konkret an eines der ersten Konzeptionstreffen zum agilen Kulturprozess. Ein Bleistift-Skribble hat uns in der Diskussion begleitet und am Ende hat unser Kollege Thomas Boysen dieses Skribble eingesteckt sinngemäß mit den Worten „vielleicht brauchen wir das irgendwann einmal, um uns an dieses Treffen zu erinnern“.

 

Mel Brunner 2018-03-26T16:44:20+00:00 20. Februar 2016|

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