Was ist eigentlich die emotionale Intelligenz?

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Emotionen, Gedanken und Handlungen bewusster, fokussierter und wirksamer machen – für mich selbst, im beruflichen und privaten Umfeld

Erst kürzlich habe ich während eines Trainings ein Pausengespräch mitgehört:
Frederik: „Schon mal gehört von Emotionaler Intelligenz?“
Constantin: „Ja, klar. Ist ganz interessant.“
Frederik nach längerer Pause: „Was verstehst‘n du darunter?“
Constantin: „Mhmm, wie soll ich das denn beschreiben…“

Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich wie Constantin mit Emotionaler Intelligenz – man weiß es, und irgendwie doch nicht. Worum geht es denn da?

 

Der Begriff wurde in den 90er Jahren geprägt und erfreut sich seither immer wieder großer Beliebtheit im Zusammenhang mit Führungsqualität, Change Management und Kompetenzentwicklung. Zum Beispiel ist es kein Geheimnis mehr, dass „gute“ Führungskräfte nicht nur hart arbeiten, sondern auch zugänglich für Mitarbeiter sind und von diesen gern als „emotional intelligent“ beschrieben werden. Über diese Führungskräfte hört man oft, dass sie die Interessen der Mitarbeiter genauso auf dem Schirm haben wie die Ziele des Unternehmens. Sie wissen, wozu sie welches Ziel verfolgen und leben diese Haltung auch. Dadurch fühlen sich Mitarbeiter intrinsisch motiviert und es entstehen vertrauensvolle Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Dieses Umfeld hat sich vor allem in Veränderungsprozessen, also im Change Management, gut bewährt.

Im Zusammenhang mit Change haben vielleicht viele von uns schon erlebt, dass auch rational sinnvollen Veränderungen oftmals Gegenwind in Form von emotionalen Widerständen entgegenwirbelt. Noch mehr rationale Argumente sind da häufig ein Tröpfchen auf dem heißen Stein, oder?

In Veränderungsprozessen sind die Pro-Argumente doch oft so logisch. Ja, sind sie auch. Auch nachvollziehbar. Neben der Ratio meldet sich manchmal unser Bauch dazu mit einer gegenteiligen Botschaft. Das sind die Situationen, in denen so ein ungutes Bauchgefühl zurück bleibt. Was tun? Verdrängen, „erwachsen“ handeln, oder das Gefühl als wertvolle Datenquelle nutzen und sich fragen: Warum habe ich dieses Gefühl, diese Emotion und was nützt sie mir?

Emotionen sind Daten, die uns in einer Situation Informationen liefern und Energie für Verhalten freisetzen. Mhmmmm. Wenn man zum Beispiel Angst empfindet, nachts, in einer unheimlichen dunklen Straße, dann möchte man sich doch liebend gern „wegbeamen“ – vorausgesetzt, man hat keine Ausbildung in diversen Kampfsportarten oder Selbstverteidigungskursen genossen! Das heißt, die Emotion Angst beinhaltet in diesem Fall die Information „Vorsicht, Gefahr!“, steuert mein Verhalten in „schnell weg hier!“ und gibt mir schlussendlich die Energie, schneller zu laufen.

Emotionen sind chemische Verbindungen in Form von Neurotransmittern, die unser Gehirn ständig produziert und somit ständig unsere Entscheidungen beeinflusst. Egal, ob wir das wollen oder nicht. Ununterbrochen werden verschiedene Emotionen gleichzeitig produziert, die nach ca. sechs Sekunden zerfallen. In dieser Zeit haben wir die Chance, unseren Ärger aber auch unsere Freude mit Gedanken zu verstärken und somit – wenn Emotionen bewusst als wertvolle Daten angesehen werden – die eine oder andere Emotion und Entscheidung zu verstärken.

Was würde das für ein Changeprojekt bedeuten? Wir steuern selbst, unsere Aufgaben entweder frustrierter oder motivierter zu bewältigen. Das ungute Bauchgefühl kann somit bewusst wahrgenommen werden und Daten liefern. Daten, ob zum Beispiel der Widerstand auf rationaler oder emotionaler Ebene vorhanden ist, wie dieser begründet wird und was es bräuchte, um diesen Widerstand in Unterstützung zu transformieren. Das bedeutet, dass wir mit Hilfe unserer Emotionen Gedanken und Handlungen bewusst hinterfragen und steuern können. Und somit Veränderung bewusst rational annehmen und emotional mittragen können.

Nun wollen Sie vielleicht wissen, wie das Pausengespräch weiter ging? Ich verrate es einfach:
Constantin: „Nun, Emotionale Intelligenz in der Quintessenz: Emotionen, Gedanken und Handlungen bewusster, fokussierter und wirksamer machen – für mich selbst und in meinem beruflichen sowie privaten Umfeld. Und es ist erlernbar… Mich erinnert es an Sport: Je mehr ich trainiere, umso leichter geht’s.“

Petra Meyer ist Beraterin bei ComTeam-Drehzahl und Senior Lecturer an der Fachhochschule in Salzburg. Dort organisiert sie mit ihrem Team die Konferenz „Emotional Intelligence in Organizations – Development and Application“, am 24. und 25. November 2016. Die Konferenz ist eine Wissenstransferplattform für Forscher, Berater und Manager mit vielen Beispielen aus der Praxis, wie Emotionale Intelligenz in Organisationen gelebt werden kann.

Wenn Sie gerne mehr zum Thema lesen möchten:
Jack Pransky: „Somebody Should Have Told Us! Simple Truth for Living Well“ (2011)
Joshua Freedman: „At the Heart of Leadership: How to Get Results with Emotional Intelligence“ (2012)

Dr. Petra Meyer

In meiner zwölfjährigen Tätigkeit als Beraterin und Trainerin für österreichische Klein- und Mittelbetriebe sowie internationale Großbetriebe habe ich früh gelernt, mit Begeisterung und der Suche nach dem Sinn gute Erfolge zu erzielen. Sinn und Begeisterung in meiner Arbeit erlebe ich durch die Unterstützung und Weiterentwicklung von Menschen und Unternehmen.
Als Senior Lecturer an der Fachhochschule Salzburg forsche ich in den Bereichen mindful leadership, Emotionaler Intelligenz und Organisationsentwicklung. Diese Forschung fokussiert auf den Menschen im Unternehmenskontext, Problemstellungen in Unternehmen und verfolgt mit einem ganzheitlichen Blick innovative langfristige Lösungen.
Die Arbeit als Beraterin und Trainerin der ComTeam-Drehzahl vereint meine praktische Erfahrung mit meiner Forschungserfahrung. Persönliche und systemische Entwicklung, Führung, Verkauf und Kultur stellen dern Kern meiner Arbeit dar.
Ich lebe mit meiner Familie in Innsbruck, liebe die Zeit mit ihr, gern auch gemeinsam mit Freunden beim Sport und in der Natur.

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Dr. Petra Meyer 2018-02-24T13:59:46+00:00 18. Oktober 2016|

Ein Kommentar

  1. Georg Wolfgang 20. Oktober 2016 um 06:56 Uhr

    Schöner Artikel und ein spannender Blick auf die Selbstverantung der Betroffenen im Change…
    Wenn Emotionen Daten sind: Sollte man bei umfangreichen Veränderungsprozessen von „big emotional data“ sprechen? ;-)

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