Design Thinking: Kulturschock nicht ausgeschlossen

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Viele Unternehmen kommen auf uns zu, weil sie die strategischen Kernkompetenzen Unternehmerisches Denken, Kundenfokus und Kreativität bei ihren Führungskräften rasch entwickeln möchten – und haben häufig schon eine Idee wie: Design Thinking soll’s richten. Es ist das Tool in aller Munde und „Hip“ wie ein Start-Up. Wir berichten aus der Praxis.

Design Thinking ist ein Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Anwender sollen Lösungen finden, die aus Nutzersicht überzeugend sind.

In unseren Workshops lernen Teilnehmer, was sich hinter Design Thinking verbirgt, wie der Prozess aussieht und durchleben ihn in kleinen Teams selbst – begleitet von einem Coach. Teilnehmer erfahren aber auch die Grenzen. Der Design Thinking-Ansatz stößt nicht selten auf die jeweilige Unternehmenskultur. Dabei kann es ziemlich krachen. Vor allem große Organisationen machen vieles anders als es in der DNA von Design Thinking liegt.

Problem vor Lösung

Wenn wir ehrlich sind, stellen wir normalerweise uns selbst und unsere Probleme in den Mittelpunkt“, sagen Teilnehmer unserer Workshops. Für sie ist es extrem ungewohnt, sich gnadenlos in die Schuhe des Kunden zu stellen. Sie fokussieren im Design Thinking-Prozess ausschließlich auf die Kunden-Frustrationen und -Probleme. Und das stellt in vielen großen Organisationen einen ziemlichen Kulturclash dar.

Einstein sagte: „Wenn ich eine Stunde habe, um ein Problem zu lösen, dann beschäftige ich mich 55 Minuten mit dem Problem und 5 Minuten mit der Lösung.“

Die Realität für Führungskräfte sieht anders aus. Im Alltag wird von ihnen erwartet, schnell Lösungen anbieten zu können. Keiner nimmt sich die Zeit für ausführliches Kreisen um die Kundenprobleme. Im Workshop merken deshalb viele, dass sie die Kundenperspektive nicht kennen.

Ideenfindung – für wen eigentlich?

Es ist ungewohnt, Ideen zu produzieren, die ausschließlich einen Kundenwert schaffen sollen. Noch ungewohnter ist es, diese nicht zu bewerten. Ideen sind Grundlage für weitere Ideen. Sie orientieren sich nicht am bestehenden Business Model oder an den vorhandenen Strukturen. Das ist für viele Teilnehmer merkwürdig. Normalerweise denken sie innerhalb der bestehenden Strukturen.

Gerade die „verrückten“ Ideen sind bei Design Thinking nötig, um Neues zu schaffen. Die Wirklichkeit der Führungskräfte entspricht allerdings mehr dieser Aussage: „Unsere Ideen müssen interne Probleme lösen und müssen möglichst direkt umsetzbar sein.“

Ein inspirierender Prozess

„Wir werden häufig daran gemessen, wie schnell wir Lösungen für Probleme finden und das findet oft am eigenen Schreibtisch statt“, stellen sie fest. Gleichzeitig schätzen Führungskräfte im Design Thinking Ansatz den Mehrwert, den die Teams beim Brainstorming erzielen. Sie erleben im Workshop wie inspirierend es ist, miteinander viele Ideen zu generieren, die im ersten Schritt keinen Kriterien genügen müssen.

Erst im weiteren Verlauf werden Ideen dann in Konzepte gegossen und implementiert. Den Teilnehmern macht es extrem viel Spaß, die interessanteste Idee in einen Prototyp zu verwandeln und anschließend vorzustellen. Sie testen den Prototypen, dürfen und sollen Fehler machen und holen sich Feedback. Verbessern, wieder testen, lernen, wiederholen.

Ungewöhnlich… denn in den meisten Unternehmen, geht es darum, direkt die ideale Lösung zu entwickeln – und sofort erfolgreich umzusetzen. Aber mal ganz ehrlich: wie realistisch ist das?!

Henry Ford sagte: „Ein Misserfolg ist lediglich die Möglichkeit, schlauer von Neuem zu beginnen.“

Design Thinking ist eine Herausforderung für große Unternehmen, da die Prinzipien häufig nicht in die bestehende Kultur passen. Ihr großer Vorteil ist, dass sie hervorragend strategisch relevante Kernkompetenzen unterstützen. Den Teilnehmern macht es richtig Spaß und es findet überraschende und effektive Lösungen. Allerdings: Design Thinking muss erlebt werden. Und daran geht kein Weg vorbei.

Wo ist Design Thinking Ihnen begegnet? Und wie haben Sie den Ansatz erlebt? Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen.

Wir arbeiten hier mit unserem Partner Journey 2 creation zusammen!

http://j2c.de/de

Und hier geht’s zu unserem Seminar:

http://comteamgroup.com/de/akademie/moderation/design-thinking-seminar/

 

Kerstin Kromer

Ich bin in Oldenburg 1969 geboren und dort sowie in Seattle, USA, zur Schule gegangen. Auf einer Tour von Bonn (Lehre als Hotelfachfrau) über München (BWL-Studium) und San Francisco (2-jähriges MBA-Studium mit Schwerpunkt International Management als Fulbright-Stipendiatin) bin ich 1996 in die bayerische Metropole zurückgekehrt und habe drei Jahre bei einer Strategieberatung überwiegend in der Telekommunikationsbranche gearbeitet.
Bei ComTeam bin ich seit 1999 in der Beratung von Menschen in Veränderungsprozessen engagiert. Ich konzipiere und leite firmeninterne Seminare oder Programme zu Themen wie Führung, Change Management oder Kommunikation. Zielgruppen sind erfahrene Führungskräfte, die sich weiter qualifizieren, sowie junge Führungskräfte, welche für die erste Leitungsposition fit gemacht werden.
Als Beraterin navigiere ich Großgruppen durch Veranstaltungen, arbeite mit Coaching-Klienten an persönlichen Themen und begleite Teams bei Strategie-Workshops, in Entwicklungsprozessen oder schwierigen Situationen.
Ich bin gerne und häufig in internationalen Gruppen und auf Englisch unterwegs, da mich unterschiedliche Perspektiven und Kulturen nach wie vor faszinieren. Leidenschaftlich gerne integriere ich „SolutionsFocus“, also lösungsorientiertes Denken und Handeln in mein Arbeitsleben.
Seit 2006 arbeite ich von Düsseldorf aus – mit großem Spaß an meiner Doppelrolle als Beraterin und Mutter einer süßen Tochter. Trotz der Mobilität im Job reise ich auch privat sehr gern – insbesondere nach Afrika.

Alle Posts ansehen
Kerstin Kromer 2018-03-26T17:01:21+00:00 8. November 2017|

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiere sie hiermit.

Teile es mit Freunden