Der Unsinn mit dem Commitment

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Haben Sie schon mal den Satz gehört „Ich bin total committed“? Dieser Satz ist totaler Quatsch! Weshalb? Fragen Sie das nächste Mal, wenn dieses Wort auftaucht, was „to be committed“ auf Deutsch heißt. Sie werden überrascht sein, welche phantasievollen Erklärungen und Umschreibungen Sie von den total „Kommitetten“ erhalten.

 

Pons sagt dazu: To be committed to do something = verpflichtet sein etwas zu tun, sich für etwas engagieren, sich auf etwas festlegen. Merriam-Webster schreibt: An agreement or pledge to do something in the future. Wobei „pledge” ein Versprechen oder ein Gelöbnis meint.

Und hier liegt der Hund begraben! Commitment heißt: „verpflichtet sein etwas zu tun“. Der zweiten Teil – sich auf eine Handlung, ein Vorgehen zu verpflichten – wird mit dem Anglizismus „ich bin total committed“ umgangen. Und deshalb ist dieser Satz totaler Quatsch. In dem man vage bleibt, kann man nicht „accountable“ (verantwortlich) gemacht werden. Noch so ein beliebtes neudeutsches Wort.

Die Aussagen „Ich bin total committed“ oder „Ich erwarte totales Commitment von allen“ signalisieren eine Haltung oder eine Erwartung, die weder eingehalten werden muss noch eingefordert werden kann. Und das deshalb, weil keine konkrete Handlung genannt wird.

Anglizismen sind deshalb so beliebt, weil sie viel weniger klar sind. Sie lassen viel mehr Interpretationsspielraum, als die entsprechenden deutschen Begriffe. Gerade durch die Unklarheit geht die eigentlich gewünschte Verlässlichkeit verloren.

Es geht darum, den Begriff „Commitment“ zu konkretisieren. Was verstehen die Menschen darunter, mit denen ich zu tun habe? Was bedeutet es für mich? Was erwarte ich konkret, wenn ich von Commitment spreche? Wir müssen sensibel sein für vage Aussagen. Wir müssen für uns einstehen. Wir müssen kommunizieren, was wir konkret fordern oder bereit sind zu investieren.

Nur dieses Bewusstsein und diese Klarheit bewahrt uns vor Missverständnissen und unangenehmen Situationen. Mein Vorschlag lautet daher: Fragen sie das nächste Mal: „Wozu genau haben Sie sich „committed“? Wozu genau verpflichten Sie sich?“

Marco Stoll

Als Berater und Trainer in den Bereichen systemisches Prozessmanagement, Konfliktbewältigung und Mediation begleite ich Führungskräfte, Teams und Unternehmen in Projekten und Menschen in ihrer persönlichen, beruflichen Weiterentwicklung.
Ich arbeite oft und gern mit Organisationen und Teams, in denen Menschen aus verschiedenen Kulturen vertreten sind. Mir ist es ein Anliegen, dass die Menschen, mit denen ich arbeite, selber zu Erkenntnissen gelangen. Ich verstehe deshalb meine Rolle mehr als Begleiter denn als Berater. Nach einer kaufmännischen Grundausbildung studierte ich BWL. Es folgte ein Auslandaufenthalt in den USA und anschliessend arbeitete ich während vierzehn Jahren in verschiedenen Linien-, Stabs- und Führungsfunktionen bei einem global tätigen Rückversicherungskonzern. Ich bin 1959 in Winterthur geboren, wo ich noch heute lebe und wo sich auch der Sitz von ComTeam in der Schweiz befindet. Meine sportlichen Aktivitäten führen meistens in die umliegenden Wälder und ich nehme – ganz ohne Ambitionen – Gesangsunterricht.

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Marco Stoll 2018-03-25T13:04:26+00:00 20. Juli 2017|

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