Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

ComTeam ist aus vielen Gründen seit Jahrzehnten ein Rückzugsort für unzählige Besucher – nicht zuletzt dank des wunderschön gelegenen, friedlichen Anwesens am Tegernsee in Oberbayern. Das Grundstück und die Räumlichkeiten des ComTeamHotels sind seit 1983 im Besitz von ComTeam. Wie ist es dazu gekommen? Wir haben unsere Geschichte für Euch in Worte gefasst.

Das Jahr 1892. In Atlanta, Georgia gründet Asa Griggs Candler ein Unternehmen, das Geschichte schreibt: The Coca-Cola Company. Im heutigen Südafrika wird J.R.R. Tolkien geboren. In Österreich-Ungarn wird statt des Guldens eine neue Währung eingeführt: die Krone. In Bayern regiert seit wenigen Jahren Prinzregent Luitpold. Bis zum Ausbruch des I. Weltkriegs wird es noch 22 Jahre dauern.

Im Örtchen Gmund am Tegernsee in Bayern, das heute etwas über 6000 Einwohner zählt, wird 1892 ein Gebäude erbaut, das durch viele Hände gehen wird: ein Landhaus mit dem verträumten Namen ‚Lindenficht‘. Wer der Bauherr des Anwesens am Tegernsee war, ist heute nicht mehr zweifelsfrei zu bestimmen.

Hier, am Ende des 19. Jahrhunderts, beginnt die Geschichte.

Portrait Marie Schröder-Hanfstaengl, Quelle: Wikipedia.org

1897 erwerben Marie und Erwin Hanfstaengl das Landhaus. Professor Erwin Hanfstaengl, Fotograf und Sohn des Lithografen Franz Hanfstaengl und Marie Schröder-Hanfstaengl, renommierte Opernsängerin und Gesangspädagogin, verbringen viel Zeit in Gmund. Marie engagiert sich in der Gemeinde als Sängerin für wohltätige Zwecke und studiert unter anderem ein Bühnenstück mit der Gmunder Bauerntheatergesellschaft ein. 1905 bzw. 1917 versterben erst Erwin und später Marie in München.

Ab dem Jahr 1904 gelangt unser Haus nun kurz hintereinander in verschiedene Hände: Elise und Otto Held, Münchner Kaufleute, besitzen das Anwesen am Tegernsee lediglich für drei Jahre, bis zum Jahr 1907. In diesem Jahr wird das Haus ‚Lindenficht‘ vom Wiesbadener Privatier Gustav Müller erworben und bereits sieben Jahre später weiterverkauft.

Begabte Musiker und dunkle Kapitel

Alois Burgstaller, Quelle: Wikipedia.org

Auf Sängerinnen und Sänger scheint das noch junge Anwesen eine besondere Anziehungskraft auszuüben, denn 1914 ersteht es der Kammersänger Alois Burgstaller. Burgstaller wird 1871 im nahe gelegenen Holzkirchen geboren und ist eigentlich gelernter Uhrmacher. Als Laien-Theaterspieler tritt er eines Abends in Holzkirchen auf. Seine Stimme beeindruckt einen anwesenden Zuschauer, der mit dem Münchner Generalmusikdirektor Hermann Levi bekannt ist, so nachhaltig, dass er Levi von Burgstaller erzählt. Dieser singt kurz darauf in München vor niemand Geringerem als Cosima Wagner vor. Seine Gesangskarriere nimmt ihren Lauf: Burgstaller singt in Bayreuth große Rollen aus Richard Wagners Werk. Von 1903 bis 1909 ist Burgstaller Mitglied der Metropolitan Opera New York. Ab 1914 wohnt Burgstaller am Tegernsee und stirbt 1945 in Holzkirchen.

Nicht bis zu seinem Tode in seinem Besitz befindet sich jedoch das Anwesen. Im Jahr 1934 macht der düsterste Teil der deutschen Geschichte auch vor ‚Lindenficht‘ nicht Halt …
Heinrich Himmler erwirbt in diesem Jahr das Jagdhaus „nach sanftem Druck“, wie es heißt, und nimmt umfangreiche Um- und Anbaumaßnahmen vor. Genutzt wurde das Haus Lindenficht in dieser Zeit hauptsächlich als Ferien- und Familiendomizil.

Nach dem großen Einschnitt

Nach Kriegsende fällt das Vermögen der Nationalsozialisten an den Staat. So wird der Freistaat Bayern Eigentümer des Grundes, der mehr als 20.000 qm misst und mehrere Häuser beherbergt.

Nun folgen einige Stationen, die symptomatisch für die Nachkriegszeit sind. Zeigen sie doch die Unruhe dieser Zeit:

  • Nach Kriegsende: Haus ‚Lindenficht‘ ist Tegernseer Hauptquartier der amerikanischen Soldaten.
  • Im Anschluss fungieren die Gebäude an der Kurstraße in Gmund als Klinik.
  • Geteilte Nutzung des Anwesens: Die Lebensmittelgroßhändler Bogner & Schmidt nutzen das heutige Waldhaus.
  • 1957: Im heutigen Haupthaus zieht eine Kur- und Diätklinik ein.
  • Die letzte Station, bevor ComTeam die Bühne betritt: Übernahme durch Frau Heinze aus München, die das weitläufige Anwesen als Hotel mit Schönheitsfarm nutzt.

Eine glückliche Fügung für ComTeam

Frau Heinze sucht nach kurzer Zeit einen Nachpächter und stößt auf eine Zeitungsannonce. ComTeam sucht zu dieser Zeit ein passendes Grundstück zum Bau eines eigenen Tagungshotels und hat in verschiedenen Zeitungen Inserate aufgegeben. So nehmen die Dinge ihren Lauf. Frau Heinze meldet sich im Jahr 1982 bei Walter Straub, ComTeam Gründer und Arnulf Gottschall, langjähriger ComTeam Geschäftsführer und spricht die folgenschweren Sätze, die uns nun, ganze 37 Jahre später, auf diese Geschichte blicken und zufrieden schmunzeln lassen:

„Sie brauchen kein Haus zu bauen. Kommen Sie zu mir. Ich habe genau das, was Sie suchen.“

 

Wie ComTeam sich im Laufe der darauffolgenden Jahrzehnte gemeinsam mit dem ComTeamHotel entwickelt hat, erfahrt Ihr im zweiten Teil unserer Geschichte, die ebenfalls hier im Blog erscheint.

 

Eva Zebisch

Seit Oktober 2018 bin ich Teil von ComTeam in der Pressearbeit und im Marketing.
Meine Interessen drehen sich um die Art, wie Menschen kommunizieren - und alles Ästhetische, Handwerk und den Erhalt unseres einzigartigen Planeten. Ich habe während des Architekturstudiums drei Jahre in Wien verbracht, auf meinem Weg seitdem viele unbezahlbare Erfahrungen gemacht und im November 2018 meinen Master im Fernstudium im Bereich Nachhaltigkeit und Entwicklung begonnen (TU Kaiserslautern).
Geboren 1988 in München, aufgewachsen im Münchner Süden, Wurzeln im Chiemgau und oft und gerne mit meinem Hund draußen unterwegs. Meine große Reise-Liebe: Die ganze Welt, vor allem aber Indonesien, mit all seinen erstaunlichen Facetten und wunderbar herzlichen Menschen.

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Eva Zebisch 2019-06-13T08:08:26+00:00 13. Juni 2019|

Ein Kommentar

  1. Avatar
    Roland Kopp-Wichmann 14. Juni 2019 um 17:54 Uhr

    Ich kenne den letzten Teil der Hausgeschichte von Walter und Arnulf. Habe dort schöne Tage verbracht als freier Trainer.

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